Gefühle. Eine toller Errungenschaft, die uns an manchen Tagen viel Freude bereitet. Gerade wenn die Schmetterlinge im Bauch fliegen, das Herz vor Freude ein Luftsprung macht und wir so aufgeregt sind, dass wir zittern.

Was ist aber mit den anderen Gefühlen? Mit den Gefühlen, bei denen wir uns nicht so wohlfühlen, sondern eher verunsichert sind? Die Gefühle, die uns ängstigen, weil wir nicht wissen, damit umzugehen. Die Gefühle, die uns beschämt machen, weil wir nicht wissen, ob wir genau das fühlen dürfen. Die Gefühle, die uns irritieren, weil wir nicht wissen, warum sie da sind und was wir mit ihnen tun sollen?

 

Bei einem grandiosen Vortrag von Thaddaeus Koroma, wurden wir gefragt: „Wer liebt Überraschungen?“ Die meisten im Raum und ich hoben die Hand. Du jetzt auch? Sehr gut. Anschließend sagte Thaddaeus: „Ihr seid Lügner. Warum? Ihr liebt nur die schönen Überraschungen. Die schlechten Überraschungen nennt ihr Probleme. (…)“

Was soll ich sagen: Ertappt. Klar liebe ich Überraschungen und vor allem die, die mir gefallen, mir ein gutes Gefühl geben und Spass bringen. Alles andere nenne ich Herausforderung. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr kann ich Thaddaeus zustimmen. Alles was uns passiert, die Chance und Möglichkeiten zu wachsen und zu reifen, sind Überraschungen des Lebens. Ob diese positiv oder negativ sind, dass entscheidet der Empfänger dieses Päckchens. Ebenso entscheidet der Empfänger den Umgang damit.

Warum berichte ich von diesem Erlebnis? Weil das mit unseren Gefühlen genauso ist. Wir alle mögen diese schönen Gefühle. Wenn wir verliebt sind, dann grinsen wir. Wenn wir etwas Unmögliches geschafft haben, dann könnten wir vor Stolz platzen. Wenn uns etwas grandios geschehen ist, dann teilen wir uns mit. In diesen Augenblicken überlegen wir nicht, wie wir uns ausdrücken werden und ob das jetzt ok ist, wenn ich ein Jubelschrei von mir lasse. In diesen Momenten sind wir so mit uns verbunden, dass das für jeden anderen sichtbar und spürbar ist. Toll.

 

Was ist aber mit den anderen Gefühlen? Mit denen, die wir negativ nennen?

Jede Medaille hat zwei Seiten. So wie es eine weiße Seite gibt, so gibt es auch eine schwarze. Und so wie es die schönen und positiven Gefühle gibt, so gibt es auch die negativen. Trauer, Enttäuschung, Wut, Ärger – all das sind Gefühle, die in uns sind. Je nach Situation sind sie alle oder vereinzelt sehr lebendig in uns. Wollen gesehen und gelebt werden. Aus Scham und Unwissenheit unterdrücken viele diese Gefühle. Verbieten sich, so zu fühlen. Was passiert dann mit den ganzen Gefühlen? Der Druck wächst und sie suchen sich ein Ventil, um Dampf abzulassen. So, wie ein Kochtopfkessel. Irgendwie fliegt dir das ganze Mist um die Ohren.

 

Mut zur Wut

Ein oft genanntes Gefühl, welches zu einer Art Ohnmacht führt, ist die WUT.

Jeder von uns spürt sie woanders.

Ein Druck in der Magengegend. Ein Kloss im Hals. Die (Wut)Tränen in der Augen.

Jeder von uns drückt sie anders weg.

Nicht spüren wollen. Selbstverurteilung in Gedanken. Beschwichtigungsmantras.

Jeder von uns lebt sie anders.

Gewalt am anderen. Gewalt sich selber gegenüber. Lautes sprechen, gar schreien in der Kommunikation. Benutzen von beleidigenden Worten und Handzeichen.

 

Unsere Kommunikation und der Umgang mit Gefühlen wurde uns in frühster Kindheit beigebracht. Wir orientieren uns an unseren Eltern, Geschwistern, Lehrern und Freunden. Sie alle sind allgegenwärtig und ständige Begleiter in unserem Alltag. In ihrer Gegenwart leben und probieren wir uns aus, um dann vorbereitet zu sein, wenn wir dem Leben gegenüber stehen. Wurde stets offen über Gefühle gesprochen und eingeladen, jedes Gefühl bewusst wahrzunehmen und zu kommunizieren, dann werden wir das in unserem Leben tun. Wurde dagegen immer alles was negativ war, verschwiegen oder sogar verboten darüber zu reden, dann wird dieser Umgang unser Leben prägen. Beide Seiten sind weder gut noch schlecht. Sie sind einfach. Und solange wir uns mit der einen oder der anderen Strategie wohlfühlen, ist alles in Ordnung. Schwierig wird es nur dann, wenn das eben nicht mehr der Fall ist. Wenn wir merken, dass uns unsere Wut einschränkt, Angst macht oder sogar zu Verletzungen führt. Wenn wir spüren, dass uns unsere Wut beherrscht und nicht wir die Wut. Wenn es soweit ist, dann gilt es die Notbremse zu ziehen, tief durchzuatmen und neue Strategien zu entwicklen.

 

Kommunizieren in der Wut

Die Wut in der Kommunikation ist vielfältig.

Hier einige Beispiele:

  • Ich bin wütend, weil mein Kind meine Bitte nicht ausfü
  • Mein Kind ist wütend, weil die Hausaufgaben zu viel Zeit in Anspruch nehmen.
  • Mein Ehemann ist wütend, weil sein Chef den freien Tag gestrichen hat.
  • Meine Schwester ist wütend, weil ich den geplanten Urlaub abgesagt habe.

 

Anhand dieser exemplarischen Auswahl ist sichtbar, dass es zum einen:

  • die Kommunikation mit mir als Wütenden gibt
  • die Kommunikation mit einem Wutmenschen gibt
  • hierbei: a) der Wutmensch ist auf mich wüten

b) der Wutmensch ist auf jemanden anderes wütend

 

Da ich Einfachheit liebe, gehe ich in diesem Beitrag auf den Umstand „Ich bin wütend“ ein. Wobei die Konstellation am Ende eine untergeordnete Rolle spielt. Das bedeutet, ob ich als Mama wütend auf mein Kind bin oder als Ehefrau auf meinen Mann oder als Angestellte auf meinen Chef. Das Gefühl Wut ist in allen Gesprächen präsent. Für dich als Leser bedeutet das, dass der nachfolgende Impuls in jeder individuellen Situation angewandt werden kann.

 

 

Wut-Impuls

Angelehnt an meine Grundhaltung: wertschätzend miteinander kommunizieren und die Gewaltfreie Kommunikation von M.Rosenberg, kann ich dir folgendes Kommunikationsmodul als Hilfestellung und Impuls mit auf den Weg geben.

 

  1. Nehme deine Wut wahr

In jedem Gespräch begleitet uns ein Gefühl. Entweder ein schönes Gefühl, dass wir als Harmonie und Zuneigung bezeichnen. Oder ein weniger schön Gefühl, dass wir als Wut bezeichnen. Egal um welches Gefühl es sich handelt: Es ist DEIN Gefühl. Niemand anderes kann dir deine Gefühle machen. Niemand anderes ist für dein Gefühl verantwortlich. Das bist nur du. Du kannst es fühlen und wahrnehmen. Dein Gegenüber sieht nur, was das Gefühl mit dir macht.

 

Für dich bedeutet das, fühle die Wut in deiner Wut-Situation. Spüre sie. Spüre die rote Ohren, das kratzen im Hals, den schnellen Herzschlag. In diesem Augenblick, mache dir bewusst, dass das Gefühl Wut da ist. In dir. Jetzt gerade.

Sobald du deine Wut wahrgenommen hast, bestimmst du den Umgang mit ihr und nicht umgekehrt. Nicht die Wut bestimmt über deine Situation, sondern du sagst der Wut wo es lang geht.

 

 

 

  1. Gönne dir eine Wut – Auszeit

Hast du deine Wut wahrgenommen, dann sprich es aus. Sage dem anderen was gerade in dir lebendig ist. Wie es dir gerade geht. Sprich dabei immer von dir, denn es ist deine Wut – nicht die des anderen.

 

Beispiel:

Mama ist wütend, weil das Kind sein Zimmer nicht aufgeräumt hat:

„Ich merke gerade, dass ich wütend werde. Ich möchte dich mit meiner Wut nicht verletzen, deshalb gehe ich jetzt aus dem Zimmer und werde nachher mit dir sprechen.

 

Ehefrau ist wütend, weil der Mann zu spät heim kam.

„Wenn ich sehe, dass du jetzt erst heimkommst, dann werde ich wütend. Ich werde mir eine Auszeit nehmen und dich später nochmal auf diese Situation ansprechen.

 

 

Sende klar Ich Botschaften und dein Gesprächspartner weiß, wie es dir geht. Somit verhinderst du Konflikte und Missverständnisse. Gerade mit den Du Botschaften kann da schnell ein Konfliktherd entstehen.

 

  1. Erforsche den Wut – Auslöser

Hast du dir eine Auszeit genommen, dann erforsche den Grund deiner Wut. Bedenke, dass die Wut zu dir gehört und somit der Anlass immer mit dir zu tun hat. In der Gewaltfreien Kommunikation sprechen wir an diesem Punkt von Bedürfnissen. Welches Bedürfnisse war in diesem Wut – Moment unbefriedigt? Welches Bedürfnis wurde nicht erfüllt? Welches Bedürfnisse wurde nicht gesehen?

 

Beispiel:

Mama ist wütend, weil das Kind sein Zimmer nicht aufgeräumt hat:

Mama hat das Bedürfnisse nach Ordnung und Sauberkeit. Mama möchte dem Kind die Fähigkeit mit auf den Weg geben, für sein eigenes Reich sorgen zu können.

 

Ehefrau ist wütend, weil der Mann zu spät heim kam:

Ehefrau hat das Bedürfnis nach Zweisamkeit, Kommunikation und Austausch. Ehefrau hat ein hohes Sicherheitsbedürfnis und war in Sorge.

 

Das nicht gesehene Bedürfnisse liegt hinter deiner Wut. Das war und ist der Auslöser für deine Wut.

 

 

  1. Gefühle hinter der Wut

In der Psychologie wird von Grundgefühlen gesprochen. Dahinter verstecken sich: Trauer, Angst, Freude, Ekel, Aggression und Scham. Je nach Quellenangabe variiert die Zusammensetzung. Aus diesen Grundgefühlen oder auch Basisgefühle genannt, mischen sich alle anderen Gefühle. Ähnlich wie beim Malen. Da gibt es die Grundfarben und alle anderen entstehen aus der jeweiligen individuellen Zusammensetzung.

Für die Wut bedeutet das, sie ist ein Scheingefühl oder auch Sekundärgefühl. Eine Zusammensetzung aus verschiedenen Gefühlen.

Hinter der Wut kann sich verbergen:

  • Angst
  • Scham
  • Trauer
  • Enttäuschung
  • Liebe
  • Mitgefühl
  • ….

 

Je mehr du dich mit deiner Wut verbindest und wirklich bereit bist, zu schauen, um was es wirklich ging – umso her lässt deine Wut nach. Warum? Weil das Gefühl dahinter sichtbar wird. Deine Wut zeigt dir, um was es wirklich geht.

 

  1. Kommuniziere deine Wut

Sobald du klar verstanden hast, was hinter deiner Wut steckt – kommuniziere es. Sage klar und deutlich in einer Ich Botschaft, warum du wütend warst. Je genau du deine Wut beschreibst, desto mehr kann dich dein Gesprächspartner verstehen.

 

Beispiel:

Mama ist wütend, weil das Kind sein Zimmer nicht aufgeräumt hat:

Als ich dein Zimmer gesehen habe, dann bin ich sehr wütend geworden. Ich wünsche mir ein sauberes Haus. Das ist mit wichtig, damit wir hier gemeinsam schön wohnen können. Zu sehen, dass unser Abmachung nicht eingehalten wurde, dass hat mich traurig gemacht. Mir sind Verbindlichkeiten wichtig.

 

Ehefrau ist wütend, weil der Mann zu spät heim kam:

Wenn ich sehe um welche Uhrzeit du nach Hause kommst, dann macht mich das wütend. Ich wünsche mit Zweisamkeit und mehr Zeit mit dir. Wenn ich dann hier alleine bin, dann mache ich mir Sorgen, dass etwas passiert sein könnte. Zugleich bin ich traurig, da ich meinen Feierabend mit dir verbringen wollte.

 

 

  1. Sende eine klare Botschaft an dein Gegenüber

Am Ende eines Gespräches ist es wichtig zu formulieren, was beim nächsten Mal anders sein könnte. Dabei kann es sich um eine Botschaft an dich selber handeln oder aber um eine Botschaft nach aussen.

 

Mama ist wütend, weil das Kind sein Zimmer nicht aufgeräumt hat:

Ich bitte dich, dein Zimmer in Ordnung zu halten. Ich bitte dich, dass unsere Abmachung gilt. Ich möchte mich auf dich verlassen können, aus diesem Grund bitte ich dich … .

 

Ehefrau ist wütend, weil der Mann zu spät heim kam:

Ich bitte dich, dass nächste Mal bescheid zu geben, wenn es wieder länger dauert.

 

Das Wort zum Schluss

Am Anfang mag sich deine neue Sprache merkwürdig und holperig anhören – das ist völlig in Ordnung. Jede Veränderung braucht ihre Zeit. Sobald du merkst, dass du deine Wut wahrnimmst und das dahinterliegende Bedürfnisse ebenso – dann kommuniziere es sofort. Die Wut – Auszeit ist am Anfang eine Hilfestellung, um Konflikte und Missverständnisse zu vermeiden.

 

Ich wünsche dir viel Freude beim Entdecken, Ausprobieren und Erleben.

 

Für kleine Hilfestellungen in der Umsetzung kannst du dich jederzeit an mich wenden.

 

Sowohl per Email als auch persönlich bin ich als Unterstützung für dich da.

 

Das Miteinander darf leicht sein und Kommunikation auch!

 

Sonnige Grüße

 

Jana

 

Jana Ludolf

Jana Ludolf

Familiencoach & Kommunikationstrainer

Lebensgefühl stärken – Kommunikation fördern – entspannter Leben. Das ist der Slogan von Jana Ludolf….

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Sie unterstützt als Familiencoach & Kommunikationstrainer Menschen, ihre Kommunikation zu fördern, zu verbessern und zu stärken. Weil das Miteinander leicht sein darf und Kommunikation auch! Vorwiegend arbeitet sie mit Patchworkfamilien, die mit ihren Besonderheiten oft Unterstützung für ihren Alltag benötigen.